Waldhonig oder Waldblütenhonig? Unterschiede, Trachten, Geschmack und Herkunft erklärt

Waldhonig oder Waldblütenhonig?

Unterschiede, Trachten, Geschmack und Herkunft erklärt

Die wichtigsten Unterschiede

Echter Waldhonig. Dunkel, würzig und oft über viele Monate flüssig. Für viele Honigliebhaber ist er eine Besonderheit unter den deutschen Honigen.

Gleichzeitig sorgen Begriffe wie Waldhonig, Waldblütenhonig oder Blütenhonig mit Waldtracht häufig für Verwirrung. Tatsächlich handelt es sich dabei um unterschiedliche Honigtypen mit unterschiedlicher Herkunft, Zusammensetzung und Sensorik. Welche Waldtrachten im Taunus und Rhein-Main-Gebiet tatsächlich eine Rolle spielen, erfahren Sie hier.

 

Was ist Waldhonig?

Waldhonig ist rechtlich und biologisch etwas Besonderes. Im Gegensatz zu Blütenhonigen stammt er nicht überwiegend aus Blütennektar, sondern aus Honigtau. Honigtau entsteht, wenn pflanzensaftsaugende Insekten – beispielsweise bestimmte Blattläuse oder Schildläuse – zuckerhaltige Pflanzensäfte aufnehmen und wieder ausscheiden. Honigbienen sammeln diesen Honigtau von Nadeln, Blättern und Zweigen und verarbeiten ihn zu Honig.

Deshalb gehört Waldhonig zu den sogenannten Honigtauhonigen.

Typische Quellen für Waldhonig

In Deutschland entstehen Waldhonige vor allem in Nadelwaldregionen mit größeren Beständen von Weißtanne, Fichte, Kiefer oder Lärche. Besonders bekannte Waldhonig-Regionen sind Schwarzwald (berühmt für Tannenhonig und Tannenwaldhonig), Bayerischer Wald (regelmäßige Waldhonigernten aus Fichten- und Tannenbeständen), Alpenrand (teilweise bedeutende Tannenhonig-Ernten) sowie der Thüringer Wald (regional wichtige Waldtrachten).

 

Was ist Waldblütenhonig?

Waldblütenhonig stammt überwiegend aus Blütennektar. Die Bezeichnung beschreibt Honige, die in waldreichen Landschaften entstehen und von einer Vielzahl blühender Bäume, Sträucher und Waldrandpflanzen geprägt werden.

Im Unterschied zum Waldhonig basiert er also hauptsächlich auf Blütennektar und nicht auf Honigtau. Ein Waldblütenhonig kann zwar geringe Honigtauanteile enthalten, wird aber sensorisch von Blüten bestimmt.

Waldblütenhonig im Taunus und Rhein-Main-Gebiet

Für Imkereien im Taunus, Wiesbaden oder Rhein-Main-Gebiet sind klassische Tannenwaldhonige eher die Ausnahme. Die Region besitzt zwar zahlreiche Wälder, jedoch nur wenige großflächige Weißtannen- oder Fichtenbestände, wie sie für typische Waldhonige erforderlich sind. Dafür bietet sie eine außergewöhnlich vielfältige Sommertracht aus blühenden Gehölzen.

Zu den wichtigsten Wald- und Waldrandtrachten gehören Robinie (Robinia pseudoacacia), Edelkastanie (Castanea sativa), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Sommer- und Winterlinde (Tilia spp.), Brombeere (Rubus fruticosus), Weißdorn (Crataegus spp.) als wichtiger Übergang zwischen Früh- und Sommertracht, Wildkirschen und andere Waldgehölze

Besonders im Taunus entstehen viele Waldblütenhonige an Übergängen zwischen Wald, Streuobstwiesen, Hecken und Offenland. Gerade diese Strukturvielfalt macht den Charakter regionaler Waldblütenhonige aus.

Waldblütenhonig aus dem Arboretum

Das Arboretum Main‑Taunus liegt vor den Toren Frankfurts – zwischen Schwalbach, Sulzbach und Eschborn und erstreckt sich über ca. 76 ha. Dort wachsen rund  600 Baum‑ und Straucharten der nördlichen Erdhalbkugel, geordnet in 36–38 natürlichen „Wald­gesellschaften“ aus Regionen wie Mitteleuropa, Kleinasien, Himalaya/China und Nordamerika. Darunter über 17 Eichenarten, ca. 30 Kastanienarten, Mammut­bäume, Ginkgo, Araukarien und viele weitere Baumarten. 

Hier blühen im Juni und Juli nicht nur Linden, Kastanien und Brombeeren, sondern auch seltene Arten aus Nordamerika, Asien und Europa. Diese außergewöhnliche Pflanzenvielfalt ergibt eine Sommertracht von seltener Komplexität und Tiefe. Der ideale Standort für unsere Bienenvölker:

 

Farbe: Woran erkennt man den Unterschied?

Waldhonig

Typischerweise:

  • dunkelbraun
  • rotbraun
  • fast schwarzbraun
  • gelegentlich grünliche Reflexe

Die dunkle Farbe entsteht durch die Zusammensetzung des Honigtaus.

Waldblütenhonig

Typischerweise:

  • goldgelb
  • bernsteinfarben
  • hell- bis mittelbraun

Die Farbe hängt stark von den jeweiligen Blütentrachten ab.

 

Konsistenz: Waldhonig bleibt oft länger flüssig

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Kristallisation.

Waldhonig

  • hoher Fruktoseanteil
  • viele komplexe Zucker
  • kristallisiert langsam

Er bleibt häufig viele Monate oder sogar Jahre flüssig.

Waldblütenhonig

  • höherer Anteil an Glukose
  • kristallisiert meist deutlich früher

Je nach Tracht entwickelt er folgende Konsistenzen:

  • cremig
  • feincremig
  • streichzart

 

Geschmack und Aroma

Waldhonig

Typische Aromen:

  • malzig
  • harzig
  • würzig
  • karamellig
  • kräftig

Waldhonig besitzt meist eine ausgeprägte Tiefe und wenig klassische Blütennoten.

Waldblütenhonig

Typische Aromen:

  • blumig
  • fruchtig
  • würzig
  • gelegentlich nussig
  • regional sehr unterschiedlich

Je nach Anteil von Robinie, Linde, Kastanie oder Brombeere entstehen sehr unterschiedliche Geschmacksbilder.

 

Was steht auf dem Etikett?

Die Bezeichnung eines Honigs ist lebensmittelrechtlich geregelt.

Waldhonig

Die Bezeichnung „Waldhonig“ darf verwendet werden, wenn der Honig überwiegend aus Honigtau stammt.

Waldblütenhonig

„Waldblütenhonig“ ist keine eigenständige gesetzliche Honigart, sondern eine beschreibende Bezeichnung für einen Blütenhonig aus waldreichen Landschaften. Entscheidend bleibt immer die tatsächliche Zusammensetzung des Honigs.

 

Waldhonig oder Waldblütenhonig – welcher ist besser?

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Beide Honigtypen spiegeln unterschiedliche Landschaften wider. Während echter Waldhonig vor allem aus großen Tannen- und Nadelwaldregionen stammt, zeigen Waldblütenhonige die Vielfalt blühender Bäume, Sträucher und Waldränder.

Der wichtigste Unterschied liegt in der Herkunft der Zucker:

  • Waldhonig entsteht überwiegend aus Honigtau an Bäumen.
  • Waldblütenhonig entsteht überwiegend aus Blütennektar von Wald- und Waldrandpflanzen.

Im Rhein-Main-Gebiet und im Taunus prägen vor allem Robinien, Linden, Ahornarten, Edelkastanien, Brombeeren, Weißdorn und zahlreiche weitere Gehölze die regionalen Waldblütenhonige. Sie verleihen den Honigen ihre goldene bis bernsteinfarbene Farbe, ihre vielfältigen Aromen und ihren unverwechselbaren Charakter.

Wald- und Waldrandtrachten des Waldblütenhonigs:

Honigtau:

DE-ÖKO-022. Deutsche Landwirtschaft.
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